Nach der Sachsen-Anhalt-Wahl 2026: Was das Ergebnis für private Vermieter bedeutet

Nicolai Schmid·Gründer von Nunc MietProfi·Veröffentlicht am

Kurz zusammengefasst: Die AfD hat die Sachsen-Anhalt-Wahl gewonnen, aber keine absolute Mehrheit erreicht. Für private Vermieter ist damit kein Wahlversprechen beschlossen: Die Grunderwerbsteuer-Halbierung braucht eine Mehrheit, neue Mietregulierung ebenso. Entscheidend werden die Regierungsbildung und der nächste Landeshaushalt. Leerstand, Sanierungskosten und die Nachfrage vor Ort bleiben die wichtigsten Größen für die eigene Kalkulation.

Sachsen-Anhalt hat am 6. September 2026 einen neuen Landtag gewählt. Die Landeswahlleitung meldet die vollständige Auszählung aller 2.661 Wahlbezirke (Stand: 7. September, 03:21 Uhr).[1] Das Ergebnis ist vorläufig; die endgültige Feststellung steht noch aus.

Das Ergebnis: AfD vorn, keine eigene Mehrheit

Sitzverteilung im LandtagVorläufige Berechnung · 07.09.2026
  • AfD39
  • CDU15
  • SPD8
  • Grüne8
  • Die Linke8
  • BSW5
  • FDP0

Die Segmente zeigen Sitzanteile, keine Stimmenanteile. Quelle und Zweitstimmenergebnis in der Tabelle.

ParteiZweitstimmenSitze*
AfD43,79 %39
CDU17,23 %15
SPD9,30 %8
Grüne8,93 %8
Die Linke8,56 %8
BSW5,27 %5
FDP2,58 %0

Vorläufige Zweitstimmenergebnisse; Sitzverteilung nach der eigenen Berechnung von wahlrecht.de auf Basis der vorläufigen Gemeinde- und Kreisergebnisse. Insgesamt 83 Sitze, absolute Mehrheit ab 42 Sitzen. Die Wahlbeteiligung beträgt 77,82 %.[2]

Wir ordnen die Wahlprogramme weiter aus der Perspektive privater Vermieter ein: mit einer geerbten Doppelhaushälfte in der Börde, zwei Altbau-Eigentumswohnungen in Halle oder einem kleinen Mehrfamilienhaus in Dessau. Die folgende Programmanalyse übernimmt weitgehend unseren Vermieter-Check vor der Wahl. Sie beschreibt die Forderungen der Parteien, keinen Koalitionsvertrag und keine bereits beschlossenen Änderungen. Ergebnisstand: 7. September 2026; Programmanalyse: 3. September 2026.

Die Ausgangslage: kaum Regulierung — dafür Leerstand

Was die großen Städte regulieren, existiert in Sachsen-Anhalt schlicht nicht: Das Land hat als eines von nur drei Bundesländern keine Mietpreisbremsen-Verordnung,[3] keine abgesenkte Kappungsgrenze (es gelten die regulären 20 % in drei Jahren),[4] kein Zweckentfremdungsverbotsgesetz[5] und keine Umwandlungs-Verordnung nach § 250 BauGB.[6] Die Grunderwerbsteuer liegt seit 2012 bei 5,0 %.[7] Straßenausbaubeiträge sind seit 2020 abgeschafft — und kein Programm will daran rütteln.[8]

Der Druckpunkt liegt woanders. Nach dem Zensus 2022 stehen in Sachsen-Anhalt 8,9 % aller Wohnungen leer (rund 108.650), in Dessau-Roßlau etwa 12,5 %;[9] beim marktaktiven Leerstand führt das Land mit 7,5 % die Bundesländer an (Bundesschnitt: 2,2 %).[10] Die Landesprognose erwartet −13 % Bevölkerung zwischen 2019 und 2035 (Basisjahr der Prognose ist 2019 — ein Teil des Rückgangs ist also bereits eingetreten).[11] Der erhoffte Magdeburger Nachfrageschub ist seit der endgültigen Intel-Absage im Juli 2025 entfallen.[12] Die Kehrseite für Käufer: niedrige Einstiegspreise und Bruttorenditen, von denen westdeutsche Großstädte weit entfernt sind — sofern die Wohnung vermietet bleibt.

Auch bei der Grundsteuer fällt die für Eigentümer entscheidende Größe — der Hebesatz — nicht im Landtag, sondern im Stadtrat: Magdeburg hat die Hebesätze 2025 nach Wohnen (483 %) und Nichtwohnen (965 %) differenziert,[13] Halle blieb bei 500 % — ein Erhöhungsvorstoß im Zuge der Haushaltskonsolidierung wurde 2025 vom Stadtrat abgelehnt und bleibt ein latentes Risiko.[14]

AfD: stärkste Kraft ohne absolute Mehrheit — Grunderwerbsteuer halbieren, GEG kippen

Die AfD („Das Land zuerst") macht das für zukaufende Vermieter größte Steuerangebot aller Programme: Senkung der Grunderwerbsteuer „von aktuell 5 Prozent auf 2,5 Prozent" — generell, nicht auf Selbstnutzer beschränkt.[15] Bei einer 150.000-€-Eigentumswohnung wären das 3.750 € weniger Kaufnebenkosten.

Daneben: Wärmeplanungs- und Gebäudeenergiegesetz „abschaffen" — wobei das GEG Bundesrecht ist, ein Land kann hier nur Bundesratsinitiativen starten und den Vollzug gestalten. Ein eigenes Kapitel „Altbaubestand retten" benennt exakt das Kleinvermieter-Dilemma des Landes (geringe Mieten machen Sanierungen unwirtschaftlich) und verspricht Sonderkredite für die Altbausanierung und Vorschriftenabbau; kommunale Wohnungsgesellschaften sollen Leerstände zurückbauen. Zum Mietrecht enthält das Programm keine Position. Für Selbstnutzer: Eigenheimkredit bis 300.000 € für Eltern unter 40 mit Schuldenerlass je Kind.

CDU: Kontinuität — Entlastung nur für Selbstnutzer auf dem Land

Die CDU unter Sven Schulze lehnt „ideologisch motivierte Markteingriffe wie Mietpreisdeckel, willkürliche Enteignungen" ab und verspricht, keine Steuern zu erhöhen.[16] Bei der Grunderwerbsteuer bietet sie aber nur eine eng umrissene Befreiung: für den erstmaligen Erwerb selbstgenutzten Wohneigentums im ländlichen Raum — Kapitalanleger und Stadtkäufe gehen leer aus. Auch das könnte das Land nicht allein umsetzen: Die Länder dürfen nur den Steuersatz festlegen (Art. 105 Abs. 2a GG); echte Befreiungstatbestände erfordern eine Änderung des Bundes-GrEStG oder eine Erstattung aus Landesmitteln.

Sanierung: Kofinanzierung aller Bundesprogramme, Absage an eine Solarpflicht, EU- und Bundesvorgaben „1:1" ohne Landesverschärfung. Beim Kernthema Leerstand bleibt das Programm auffallend dünn — „kreative Konzepte gegen Leerstand" in den Innenstädten, ohne konkretes Instrument. Für das Ex-Intel-Areal verspricht die CDU einen „High-Tech-Park" als ostdeutschen Leuchtturm binnen fünf Jahren.

Die Linke: einzige Partei, die die Mietpreisbremse nach Sachsen-Anhalt holen will

Die Linke („Wir sind der Pol der Hoffnung") ist die einzige Partei, die die Regulierungslücke schließen will: Sie fordert eine Landes-Verordnung, „um eine Mietpreisbremse für die Städte zu ermöglichen", und ein Zweckentfremdungsgesetz für Sachsen-Anhalt. Zwei weitere Forderungen betreffen Bundesrecht und sind vom Landtag aus nur über den Bundesrat erreichbar: die Abschaffung der Modernisierungsumlage (§ 559 BGB) und dass die Grundsteuer nicht mehr auf Mieter umlegbar ist — Letzteres würde jede Abrechnung treffen, die diese Position heute umlegt.[17]

Zur Einordnung: Eine Mietpreisbremsen-Verordnung setzt einen „angespannten Wohnungsmarkt" in der jeweiligen Gemeinde voraus (§ 556d Abs. 2 BGB) — maßgeblich sind die lokalen Verhältnisse, nicht der Landesschnitt. Aber auch die Stadtwerte liegen weit über dem Niveau angespannter Märkte: Nach dem Zensus 2022 standen in Magdeburg 6,7 % und in Halle 7,8 % der Wohnungen leer.[9] Eine Gebietsausweisung müsste das gutachterlich überwinden und wäre absehbar rechtlich umstritten. Beim Leerstand ist die Linke zugleich die konkreteste Partei: landesfinanzierte Altschulden-Anschlusslösung für die Wohnungswirtschaft, ein neues Stadtumbauprogramm bis 2035 (Rückbau und Aufwertung) und eine Landeswohnungsbaugesellschaft. Eigentumsförderung lehnt sie ausdrücklich ab („nicht für die Förderung von Eigentum").

SPD: Abrissprogramme ländlich — und ein Steuersatz mit Doppelgesicht

Die SPD unter Armin Willingmann fordert — bemerkenswert — an keiner Stelle eine Mietpreisbremse oder einen Deckel.[18] Ihr Leerstandsrezept: „gezielte Abrissprogramme" im ländlichen Raum, um kommunale und genossenschaftliche Wohnungsunternehmen zu stabilisieren — was über die Marktbereinigung indirekt auch privaten Bestandshaltern nützt. Bei der Grunderwerbsteuer will sie den Ersterwerb für natürliche Personen befreien (Bundesforderung) und Share Deals schließen.

Ein Satz verdient die Aufmerksamkeit jedes Vermieters: „Erträge aus Mietimmobilien, Aktien, Kryptowährungen oder Zinsen sollen besteuert werden wie andere Einkommen." Laufende Mieteinnahmen unterliegen schon heute dem persönlichen Einkommensteuersatz — worauf die Formulierung genau zielt, lässt das Programm offen. Betroffen sein könnten bislang begünstigte Positionen, etwa der nach zehn Jahren steuerfreie Veräußerungsgewinn (Spekulationsfrist); ein konkreter Vorschlag dazu steht aber nicht im Programm. In jedem Fall eine Bundesforderung ohne Landtagsmehrheit-Hebel — und ein Signal, wohin die programmatische Reise geht.

Grüne: Mietendeckel-Forderung — und Sanktionen gegen Leerstand

Die Grünen (8,93 %, acht Sitze nach vorläufiger Berechnung) haben die schärfste Mietregulierungs-Forderung („Zur Sicherung von bezahlbarem Wohnraum sollen Mietendeckel eingesetzt werden") — wobei ein Mietendeckel seit dem Karlsruher Beschluss zum Berliner Deckel (2 BvF 1/20) Bundessache ist, ein Land ihn also nicht allein einführen kann. Dazu das schärfste Sanktionspaket aller Programme gegen Eigentümer leerstehender Objekte: Kommunen sollen gegen Langzeit-Leerstand „Nutzungs- oder Sanierungsfristen, höhere Abgaben oder verpflichtende Zwischennutzung" durchsetzen können, als letztes Mittel eine erleichterte Übernahme langjährig ungenutzter Immobilien; Vorkaufsrechte sollen ausgeweitet werden.[19] Daneben: „Sanierung statt Neubau" als Leitprinzip, Landesbürgschaften für Sanierer ohne Rücklagen — und als nachfragerelevanter Punkt eine Zuzugs-Werbekampagne für junge Familien in Berlin und Leipzig.

FDP und BSW: FDP scheidet aus, BSW zieht ein

Die FDP (2,58 %) ist die einzige Partei, die private Vermieter wörtlich adressiert: Weil „in vielen Regionen moderate Mieten die Refinanzierung umfassender Modernisierungen erschweren", fordert sie per Bundesratsinitiative eine dauerhafte Modernisierungs-Abschreibung (beschleunigte AfA für energetische und Barriere-Sanierung im Bestand), dazu einen Grunderwerbsteuer-Freibetrag für den Ersterwerb selbstgenutzten Wohneigentums und einen landeseigenen, befristeten Altschuldenfonds.[20] Die FDP hat den Wiedereinzug verpasst. Das BSW (5,27 %) will einen bundesweiten Mietendeckel gegen Großinvestoren, Grunderwerbsteuer-Freibeträge samt Sonderabschreibungen (wie alle Befreiungstatbestände Bundesrecht) und die Grundsteuer-Abschaffung für selbstgenutztes Wohneigentum[21] — und ist nach der vorläufigen Sitzberechnung mit fünf Abgeordneten vertreten.

Die Positionen im Überblick

Wer fordert was? Die Kernpositionen aller Parteien auf einen Blick — die Einordnung dazu steht in den Abschnitten oben. Dass die Tabelle viele Leerstellen zeigt, ist selbst der Befund: Viele Programme enthalten keine Forderung nach zusätzlicher Mietregulierung. Die Tabelle dokumentiert Wahlversprechen, nicht den Stand der Regierungsverhandlungen.

ForderungAfDCDULinkeSPDGrüneFDPBSW
Grunderwerbsteuer senkenfordert / steht im Programmeingeschränkt (siehe Hinweis)keine Aussage im Programmeingeschränkt (siehe Hinweis)keine Aussage im Programmeingeschränkt (siehe Hinweis)eingeschränkt (siehe Hinweis)
Mietpreisbremsen-Verordnung für das Land erlassenkeine Aussage im Programmkeine Aussage im Programmfordert / steht im Programmkeine Aussage im Programmkeine Aussage im Programmkeine Aussage im Programmkeine Aussage im Programm
Mietendeckel fordernkeine Aussage im Programmlehnt abkeine Aussage im Programmkeine Aussage im Programmfordert / steht im Programmkeine Aussage im Programmeingeschränkt (siehe Hinweis)
Sanktionen gegen Leerstand (Fristen, Abgaben, Übernahme)keine Aussage im Programmkeine Aussage im Programmkeine Aussage im Programmkeine Aussage im Programmfordert / steht im Programmkeine Aussage im Programmkeine Aussage im Programm
Abriss- und Stadtumbauprogramme gegen Leerstandfordert / steht im Programmkeine Aussage im Programmfordert / steht im Programmfordert / steht im Programmkeine Aussage im Programmkeine Aussage im Programmkeine Aussage im Programm
Förderung für die Sanierung im Bestand ausbauenfordert / steht im Programmfordert / steht im Programmkeine Aussage im Programmkeine Aussage im Programmfordert / steht im Programmfordert / steht im Programmkeine Aussage im Programm
Modernisierungsumlage abschaffen (Bundesforderung)keine Aussage im Programmkeine Aussage im Programmfordert / steht im Programmkeine Aussage im Programmkeine Aussage im Programmkeine Aussage im Programmkeine Aussage im Programm

Tabelle seitlich scrollbar.

  • fordert / steht im Programm
  • lehnt ab
  • eingeschränkt (siehe Hinweis)
  • keine Aussage im Programm

Eingeschränkt heißt hier: Bei der Grunderwerbsteuer nur Entlastung für den Ersterwerb (CDU und FDP: nur selbstgenutzt); das BSW fordert den Mietendeckel nur bundesweit und gegen Großinvestoren. Das Zweckentfremdungsgesetz der Linken ist keine Leerstands-Sanktion im Sinne der Zeile, könnte längeren Leerstand aber erfassen (siehe Fazit).

Im Detail

ParteiGrunderwerbsteuerMietregulierungLeerstand & Sanierung
AfDSenkung von 5,0 auf 2,5 % (generell)keine PositionSonderkredite Altbau; GEG abschaffen (Bundesratsinitiative)
CDUBefreiung nur Ersterwerb Selbstnutzer, ländlicher Raum (braucht Bund oder Landeserstattung)Absage an MietpreisdeckelKofinanzierung Bundesförderung, keine Solarpflicht
Linkekeine PositionMietpreisbremsen-VO für Städte, Modernisierungsumlage abschaffen (Bundesforderung)Altschulden-Lösung, Stadtumbau bis 2035
SPDBefreiung nur Ersterwerb (Bundesforderung)keine Forderunggezielte Abrissprogramme ländlich
Grünekeine PositionMietendeckel gefordert (nur bundesrechtlich möglich)Sanktionen gegen Langzeit-Leerstand, Sanierung statt Neubau
FDPFreibetrag Ersterwerb Selbstnutzer (Bundesforderung)keine VerschärfungModernisierungs-AfA (Bundesratsinitiative), Altschuldenfonds
BSWFreibeträge + Sonderabschreibungen (Bundesrecht)bundesweiter Mietendeckel (gegen Großinvestoren)Sanierung vor Neubau

Regierungsbildung: Welche Mehrheiten für Vermieter zählen

Aus der vorläufigen Sitzberechnung folgt: Der AfD fehlen drei Sitze zur absoluten Mehrheit. CDU, SPD und Grüne kommen zusammen auf 31 Sitze; mit der Linken wären es 39, mit dem BSW statt der Linken 36. Erst alle fünf übrigen im Landtag vertretenen Parteien zusammen erreichen 44 Sitze. Das ist eine rechnerische Mehrheit, noch keine politische Einigung.

Für die Wohnungspolitik ergeben sich daraus drei Punkte:

  1. Die Grunderwerbsteuer-Halbierung hat keine eigene Mehrheit. Die AfD kann ihre Forderung nach 2,5 % nicht allein beschließen. Käufer sollten weiter mit dem geltenden Satz von 5,0 % kalkulieren. Auch die Entlastungsmodelle der anderen Parteien brauchen politische Mehrheiten und teils Änderungen auf Bundesebene.
  2. Mietregulierung bleibt ein Verhandlungsthema. Linke, Grüne und BSW sind im Landtag vertreten, haben aber unterschiedliche Forderungen und zusammen keine Mehrheit. Eine Mietpreisbremsen-Verordnung, ein Zweckentfremdungsgesetz oder neue Instrumente gegen Leerstand sind durch den Wahlausgang weder beschlossen noch ausgeschlossen. Die rechtlichen Grenzen der jeweiligen Vorschläge bleiben bestehen.
  3. Förderung hängt am Haushalt. Für Altschuldenhilfen, Stadtumbau, Abriss und Sanierung ist entscheidend, welche Vorhaben eine künftige Regierung und eine Haushaltsmehrheit finanzieren. Bestehende Angebote wie „Wohnraum herrichten“ bleiben ein konkreter Ansatzpunkt für die Prüfung einer Förderung.[22] Ein Wahlprogramm ersetzt weder die Förderbedingungen noch eine Zusage.

Eine Minderheitsregierung wäre bei Sachentscheidungen auf zusätzliche Stimmen angewiesen. Welche Parteien sich auf eine Regierung oder deren Unterstützung verständigen, lässt sich aus dem Ergebnis allein nicht ableiten. Für private Vermieter zählen deshalb die tatsächlich vereinbarten und anschließend beschlossenen Maßnahmen.

Was das für Vermieter mit wenigen Wohnungen konkret heißt

  1. Mehr Spielraum bei der Miete — aber nicht grenzenlos. Ohne Mietpreisbremse ist die Neuvertragsmiete frei verhandelbar; im Bestand gilt für Erhöhungen bis zur ortsüblichen Vergleichsmiete (§ 558 BGB) die reguläre 20-%-Kappungsgrenze — Index-, Staffel- und Modernisierungserhöhungen folgen eigenen Regeln — und die bundesweiten Grenzen gegen Mietpreisüberhöhung und Wucher (§ 5 WiStG, § 291 StGB) gelten unabhängig von jeder Landesverordnung. Praktisch setzt bei 7,5 % marktaktivem Leerstand ohnehin der Markt die engere Grenze: Der Preis entscheidet über die Bewerberqualität, nicht über das Ob. Wie Sie die Kaltmiete festlegen, ist hier die wichtigere Stellschraube als jede Regulierungsfrage.
  2. Beim Zukauf mit geltendem Recht rechnen. Zwischen 5,0 % und 2,5 % Grunderwerbsteuer liegen bei einem 150.000-€-Objekt 3.750 € — die AfD-Halbierung ist der einzige Vorschlag, der den Satz auch für Kapitalanleger senkt; die übrigen Entlastungen zielen auf den Ersterwerb, bei CDU und FDP ausdrücklich nur selbstgenutzt. Die AfD hat dafür keine eigene Mehrheit. Eine mögliche Steuerentlastung gehört erst dann in die belastbare Kaufkalkulation, wenn sie beschlossen ist und der Anwendungszeitpunkt feststeht.
  3. Leerstand ist das Risiko, das kein Wahlzettel löst. Die Bevölkerungsprognose von −13 % (2019–2035) trifft Lagen sehr unterschiedlich — die Förderinstrumente gegen Leerstand (IB-Darlehen, Abrissförderung) existieren heute schon; ihre Fortführung entscheidet der nächste Landeshaushalt, kein Programm stellt sie infrage. Direkte Programm-Risiken für Halter unvermieteter Objekte gibt es zwei: die Leerstands-Sanktionen der Grünen (acht Sitze nach vorläufiger Berechnung) und das Zweckentfremdungsgesetz der Linken, das auch längeren Leerstand erfassen könnte. Eine zügige Wiedervermietung hilft unabhängig von der Regierungsbildung: Erstellen Sie Ihr Inserat kostenlos mit Nunc — wir begleiten die Vermietung vom Inserat bis zur Mieterauswahl.

Diese Einordnung beruht auf dem vorläufigen Wahlergebnis und den Wahlprogrammen. Nach der endgültigen Ergebnisfeststellung und der Regierungsbildung prüfen wir, welche Vorhaben konkret werden.

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Über den Autor

Nicolai Schmid, Gründer von Nunc MietProfi. Hat selbst mehrere Wohnungen privat vermietet und mit Nunc MietProfi Dutzende Vermietungen begleitet — von der ersten Anzeige bis zur Vertragsunterschrift. Mehr über den Autor

Dieser Beitrag gibt Erfahrungen und allgemeine Informationen wieder und ersetzt keine Rechtsberatung. Für verbindliche Auskünfte zu Mietrecht und Steuern wenden Sie sich bitte an eine Anwältin, einen Anwalt oder eine Steuerberatung.